Vor einer Woche sind wir nach 12,5 Monaten wieder zurück in unsere Wohnung nach Köln gezogen, auf die unsere Mieter, Elaine und Sebastian, wirklich super aufgepasst haben.
Inzwischen haben wir uns auch ganz gut in Deutschland eingefunden und uns wieder an den Rechtsverkehr gewöhnt, überlegen nicht mehr, wie herum wir in den Kreisverkehr abbiegen müssen, gucken in die richtige Richtung, bevor wir über die Straße gehen, und versuchen in der Tankstelle nicht auf Englisch zu erklären, dass wir an der pump number two getankt haben 😉

Zwar sind die letzten drei Monate unserer Weltreise wegen Corona anders verlaufen als geplant, aber wir haben trotzdem das Beste draus gemacht und waren viel in Dänemark und Deutschland unterwegs, sobald es wieder erlaubt war.
Wir sind wahnsinnig dankbar, dass wir das Privileg hatten, dieses Sabbatjahr gemeinsam nehmen zu können, viele Orte, die wir schon immer mal sehen wollten, bereisen konnten und jetzt nach einem Jahr Pause einfach wieder in unseren Berufsalltag einsteigen können, ohne uns um einen neuen Job kümmern zu müssen.

Natürlich bedeutet eine Reise, dass man finanzielle Einbußen hinnehmen muss, wenn man für eine Weile weniger arbeitet. Die Erfahrungen, Begegnungen und die Freiheit, die man dafür im Gegenzug bekommt, sind allerdings mit keinem Geld aufzuwiegen. Als wir in den USA mit einem Rentnerehepaar aus den Staaten ins Gespräch kamen, das mit 70 das erste Mal das eigene Land bereiste, waren die beiden Senioren ganz aus dem Häuschen, als sie erfuhren, dass wir uns ein ganzes Jahr frei genommen haben, um die Welt zu sehen. Sie sagte zu ihrem Mann: „Oh John, wie hätte unsere Reise aussehen können, wenn wir sie nicht erst mit 70 angetreten hätten…“.
Es lohnt sich absolut, hin und wieder einmal seine Komfortzone zu verlassen und Abstand zum Alltag und seinen Gewohnheiten zu gewinnen. Nicht zuletzt dadurch fiel uns bei unserer Rückkehr auf, wie viele Sachen wir eigentlich besitzen. Nachdem wir ein Jahr problemlos mit dem Inhalt von zwei Backpacks ausgekommen sind, standen wir ziemlich ratlos vor unserem prall gefüllten Kleiderschrank und den ganzen Umzugskartons. Daraufhin haben wir unseren Hausstand radikal reduziert und vieles verschenkt. Es hat richtig gut getan, sich von unnötigem Ballast zu trennen.
Im Vorfeld unserer Reise wurden wir von vielen Freunden, Familienmitgliedern und Kollegen gefragt, ob wir uns wegen der Weltreise keine Sorgen machen würden, da ja an so vielen Stellen so viel schief gehen könnte und unser Projekt doch einiges an Wagemut und Risikobereitschaft erfordere. Schließlich ist es deutlich leichter, einfach das weiterzumachen, was man schon die letzten Jahre immer gemacht hat. Abschließend können wir sagen, dass sich das „Risiko“, das wir eingegangen sind, absolut gelohnt hat (auch trotz Corona) und wir nicht nur während der Reise jeden Moment sehr bewusst erlebt und genossen haben, sondern auch nach unserer Rückkehr sehr von den tollen Erinnerungen zehren.
Das „Risiko“ hat sich für uns auch recht kalkulierbar angefühlt, da wir unnötige Gefahren z.B. richtige Krisenländer oder aber gefährliche Situationen wie z.B. der Aufstieg auf den Angels Landing Gipfel, der mit 80-100 anderen Menschen eher überfüllt war, vermieden haben.
Natürlich gibt es bei einer solchen Reise bei der Planung und Organisation im Vorfeld und auch bei der Durchführung das eine oder andere Hindernis, aber keines, das unüberwindbar gewesen wären.
Wir sind oft gefragt worden, was wir von unserer Reise so mitgenommen haben.
Vor allem haben wir gemerkt, dass wir in einem tollen Land leben, egal, in welchem Land wir uns mit den Leuten unterhalten haben, immer wieder wurden wir als Deutsche für die sichere politische, solide wirtschaftliche und gesundheitliche Lage beneidet. Auch wenn man im Alltag in Deutschland vielleicht nicht immer zufrieden ist, relativiert sich dieser Eindruck schnell, wenn man die Lebensqualität mit der von anderen Ländern vergleicht.
Außerdem wurden wir sehr positiv von der Offenheit und Neugier der anderen Menschen überrascht. Sobald diese mitbekommen haben, dass wir Ausländer sind, kamen sie auf uns zu, wollten wissen, woher wir kommen, wie uns ihr Land gefällt und ob die Menschen nett zu uns waren. Viele kramten sogar ein paar deutsche Vokabeln „Bitte, Danke, Guten Tag, Auf Wiedersehen“ aus, um mit uns ins Gespräch zu kommen.
Nach dieser Erfahrung werden wir auf jeden Fall versuchen, Reisenden aus anderen Ländern auch aufmerksamer und interessierter zu begegnen.
Wir sind uns im Klaren darüber, dass neben guter Planung etc. auch eine Portion Glück zu einer gelungenen Reise gehört, denn ein unvorhergesehenes Erdbeben, ein Vulkanausbruch, Krankheit oder Diebstahl kann das Vorhaben doch sehr beeinträchtigen. Deshalb sind wir sehr dankbar dafür, dass wir außer einer kleinen Erkältung nicht krank geworden sind und uns kein einziges Mal etwas gestohlen wurde.Außerdem haben wir gelernt, dass ein riesiges Projekt, wie z.B. unsere Vorstellung, in Australien und Neuseeland einen Camper zu kaufen, selbst auszubauen und am Ende der 10 Wochen wieder zu verkaufen, was am Anfang kaum realisierbar erscheint, doch machbar und schaffbar ist, wenn man es in kleinere Zwischenschritte unterteilt. Klingt zwar banal, wird aber häufig vergessen.
Insgesamt sind wir sehr glücklich darüber, an unserem Traum „Sabbatjahr“ festgehalten, und zusammen verwirklicht zu haben.
Eins ist aber auf jeden Fall klar: die nächste Reise, das nächste Abenteuer kommt bestimmt!